Sehnsuchts-Segen
Uns Kirch 73
Allermöhe, 21.7.2026
Liebe Leserin,
lieber Leser,
die Goldene Konfirmation am 19.7.2026 in der Dreieinigkeitskirche Allermöhe liegt zwei Tage zurück. Der Urlaub mit der Familie ist in greifbarer Nähe. Die Vorfreude auf Frankreich und Paris ist schon länger bei uns vieren spürbar. Wie wird wohl das Wetter? Was wollen wir unternehmen? Wie war das noch letztes Jahr? Schaffen wir es diesmal auf den Eiffelturm?
Für mich hatte sich diese Goldene Konfirmation auch mit einer Rückbesinnung verbunden. Damals hatten ein Schulfreund und ich jeweils ein Moped. Meins war eine alte Simson mit einem Sitz - eine KR 50 - in weiß-rot mit zwei Gängen, die ca. 45 km/h möglich gemacht haben. Damit waren wir 3 1/2 Tage unterwegs und konnten dann viele Wochen in Paris verbringen.
Ziel war die Ankunft der Tour de France auf den Champs-Élysées. Damals hatte der deutsche Radrennfahrer Dietrich Thurau eine wahre Begeisterung mit 5 Etappensiegen ausgelöst. Diese Begeisterung ist nicht zuletzt wegen seines späteren Dopings verflogen.
Aber die Liebe zu - und die Sehnsucht nach - Paris ist geblieben. Und ich glaube, dass ich auch die Kinder damit angesteckt habe. Letztes Jahr waren wir mehrere Tage dort und haben wirklich vieles zu Fuß erlaufen und erkundet.
Nun soll es ein kurzer Ein-Tages-Zwischenstopp auf dem Weg in die Bretagne werden. Da ist der Eiffelturm Pflicht! Der Aufstieg zur 2.Etage ist online gebucht. Das Foto der beiden Küssenden unter den roten Schirm samt der Mona Lisa hatte ich letztes Jahr auf dem Mont Martre bei der Sacré-Cœur gemacht.
Solche Streetart mag ich. Auch wenn sie schon etwas angekratzt und in die Jahre gekommen ist. Der rote Schirm hatte mich von Weitem aufmerksam gemacht. Bei näherer Betrachtung gab es mehr zu entdecken. Aber zuerst ein Foto mit dem Handy.
Das fiel mir nun zur goldenen Konfirmation wieder ein: „…Schutz und Schirm vor allem Argen…“! So wird es im Konfirmationssegen zugesprochen: „…Stärke und Hilfe zu allem Guten…“! Für mich ist das ein Sehnsuchts-Segen. Wer wünscht sich das nicht? Unter so einem Schirm - unter so einem Segen wäre doch wirklich gut sein! Zum Küssen schön! Und wenn der Schirm auch schon ein wenig angekratzt ist, lädt er immer noch zur Zärtlichkeit - zur Liebe - ein. Dieser Schirm - dieser Segen - lädt in die Liebe Gottes ein.
Nach 50 Jahren wird die damalige Konfirmation so vergoldet!
Nicht nur der Schirm auch die beiden - das Paar - und wir tragen die Spuren der Zeit an und in uns. So unterschiedlich wir auch sind: Die Frau gepunktet. Der Mann kariert. Der Mut zum Kuss ist geblieben! Und irgendwie scheinen die zwei zu schweben.
Beim Hinsehen muss ich schmunzeln!
Und dann schaue ich genauer. Mona Lisa lächelt mich mit ihrem vertrauten Lächeln an.
Und wenn man gut bekanntes sieht, übersieht man manchmal die Kleinigkeiten der Veränderung. Und tatsächlich es ist nicht nur ein Lächeln, nicht nur ein Gesicht: Es sind ganz viele fremde Gesichter, die das Lächeln der Mona Lisa ausmachen.
Die Zweisamkeit des sich ereignenden Kusses und die Gemeinschaft der vielen Menschen im Lächeln der Mona Lisa trotzen dem Argen! Und auf ihre ganz eigene Street-Art-und-Weise vermitteln sie mir Stärke und Hilfe zu allem Guten. Dieses Gute möchte ich trotz aller Widrigkeiten, die das Leben mit sich bringt, nicht aus dem Blick verlieren.
Und so schaue ich mir das Handyfoto immer wieder gerne schmunzelnd an.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit!
Ihr Pastor Michael Ostendorf