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Grußwort: Uns Kirch 44

„…leer…!“

‍Liebe ‍Leserin, ‍lieber ‍Leser,


‍gerade ‍in ‍der ‍Passionszeit, ‍zu ‍Karfreitag ‍und ‍zu ‍Ostern ‍fällt ‍des ‍öfteren ‍das ‍kleine ‍Wörtchen ‍„leer“. ‍Sieben ‍Wochen ‍ohne: ‍Fasten, ‍um ‍frei ‍- ‍leer ‍- ‍zu ‍werden ‍für ‍das ‍wesentliche. ‍Am ‍Karfreitag ‍die ‍„innere ‍Leere“. ‍Und ‍dann ‍am ‍Ostermorgen ‍das ‍„leere ‍Grab“! ‍Es ‍scheint ‍nichts ‍geblieben ‍zu ‍sein. ‍Nichts ‍greifbares, ‍nichts ‍sichtbares. ‍Maria ‍Magdalena ‍hielt ‍den ‍Auferstanden ‍zuerst ‍für ‍den ‍Gärtner. ‍Nur ‍an ‍der ‍Art ‍und ‍Weise, ‍wie ‍er ‍sie ‍mit ‍ihrem ‍Namen ‍anspracht, ‍konnte ‍sie ‍ihn ‍erkennen. ‍Zu ‍gerne ‍hätte ‍sie ‍ihren ‍„Rabbi“ ‍- ‍ihren ‍Meister ‍- ‍umarmt, ‍was ‍dieser ‍ihr ‍allerdings ‍untersagte. ‍


‍Es ‍sind ‍Umwege, ‍die ‍vom ‍leeren ‍Grab ‍zum ‍Auferstandenen ‍hin ‍in ‍das ‍neue ‍Leben ‍führen: ‍Ein ‍Wettlauf ‍zum ‍Grab, ‍der ‍Weg ‍nach ‍Emmaus, ‍das ‍Kommen ‍nach ‍Galiläa ‍und ‍der ‍Rückweg ‍nach ‍Jerusalem. ‍Langsam ‍füllt ‍sich ‍die ‍Leere ‍mit ‍neuem ‍Leben. ‍Die ‍Erlebnisse ‍mit ‍Jesus ‍bekommen ‍neue ‍Be-deutung. ‍Die ‍Trauer ‍wandelt ‍das ‍Trauma ‍des ‍Todes ‍zu ‍einem ‍neuen ‍Anfang. ‍Langsam ‍kommt ‍alles ‍zur ‍Sprache. ‍Zuerst ‍untereinander. ‍Dann ‍wird ‍anderen ‍erzählt. ‍Das ‍Leben ‍Jesu ‍wird ‍eine ‍gute ‍Nachricht: ‍Evangelium! ‍Wie ‍erzählen ‍wir ‍das ‍weiter? ‍Welche ‍Erlebnisse, ‍welche ‍Eindrücke ‍von ‍Jesus, ‍welche ‍Bilder ‍sind ‍uns ‍wichtig? ‍


‍Diese ‍Fragen ‍wurden ‍mir ‍bei ‍den ‍Konfirmationen ‍und ‍im ‍Unterricht ‍immer ‍wieder ‍deutlich. ‍Und ‍gerade ‍das ‍Bild ‍an ‍der ‍Kanzel ‍der ‍Moorfleeter ‍Kirche, ‍die ‍von ‍Hein ‍Baumann ‍geschnitzt ‍wurde, ‍ist ‍ein ‍Hinweis: ‍Welches ‍Bild ‍von ‍Jesus ‍hast ‍du ‍selbst? ‍Denn ‍dort ‍steht ‍keine ‍Figur ‍auf ‍dem ‍Sockel, ‍der ‍den ‍Namen ‍„Christus“ ‍trägt. ‍Scheinbar ‍wurde ‍die ‍Christusfigur ‍entwendet. ‍Dieser ‍Platz ‍bleibt ‍dauerhaft ‍leer! ‍


‍Einigen ‍Konfirmanden ‍ist ‍auch ‍aufgefallen, ‍dass ‍es ‍auch ‍im ‍Glaubensbekenntnis ‍solch ‍einen ‍leeren ‍Platz ‍gibt. ‍Denn ‍zwischen ‍„geboren ‍von ‍der ‍Jungfrau ‍Maria“ ‍und ‍„gelitten ‍unter ‍Pontius ‍Pilatus“ ‍bleibt ‍die ‍Lücke ‍des ‍Lebens ‍Jesu! ‍In ‍den ‍Glaubenssätzen ‍kommt ‍das ‍Leben ‍Jesu ‍scheinbar ‍zu ‍kurz. ‍Das ‍Dogma ‍bezieht ‍sich ‍offensichtlich ‍nicht ‍auf ‍die ‍Erfahrbarkeit ‍Jesu ‍sondern ‍auf ‍den ‍überirdischen: ‍Auf ‍Christus! ‍


‍Ist ‍aber ‍nicht ‍gerade ‍die ‍Erfahrbarkeit ‍des ‍Mensch ‍gewordenen ‍Gottes ‍wichtig? ‍Die ‍Hinwendung ‍zu ‍uns ‍Menschen? ‍Muss ‍Glaube ‍sich ‍nicht ‍gerade ‍in ‍eigenen ‍Leben ‍be-wahrheit-en? ‍Ich ‍glaube ‍schon! ‍Und ‍deshalb ‍gefällt ‍mir ‍diese ‍Leere. ‍Weil ‍sie ‍mich ‍immer ‍wieder ‍herausfordert, ‍zu ‍schauen, ‍wie ‍dieser ‍Platz ‍Gottes ‍in ‍meinem ‍Leben ‍gefüllt ‍werden ‍kann. ‍


‍Diese ‍Leere ‍bedeutet ‍mir ‍persönlich ‍Offenheit! ‍Da ‍ist ‍Raum ‍für ‍mich ‍und ‍dich ‍- ‍für ‍uns. ‍Für ‍meine ‍und ‍deine ‍- ‍unsere ‍Erfahrungen. ‍Raum ‍für ‍Glauben, ‍der ‍sich ‍im ‍Leben, ‍im ‍Sterben ‍und ‍darüber ‍hinaus ‍auf ‍diesen ‍Jesus ‍Christus ‍bezogen ‍weis. ‍Ja, ‍der ‍mit ‍dem ‍Hinterlassen ‍des ‍leeren ‍Grab ‍diese ‍neue ‍Lebens-Perspektive ‍eröffnet ‍hat. ‍Diese ‍Leere ‍ermöglicht ‍erfülltes ‍Leben! ‍In ‍Hülle ‍und ‍Fülle. ‍


‍Für ‍den ‍nahen ‍Sommer ‍wünsche ‍ich ‍Ihnen ‍Zeit, ‍die ‍Sie ‍mit ‍Ihrem ‍Leben ‍füllen ‍können.


‍Ihr ‍Michael ‍Ostendorf

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