Gott ist nicht ferne

Grußwort Uns Kirch Sommer 2021


Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Apg 17,27


Liebe Leserin, lieber Leser,


wenn Sie diese Ausgabe von „Uns Kirch“ in Händen halten und diese Zeilen lesen, ist das Jahr 2021 schon bei seiner Mitte angelangt. Vieles war so ganz anders als erhofft. Und vieles war eine Fortschreibung dessen, was wir vorher einüben mussten. Abstand halten ist immer noch das Gebot der Stunde. 


Abstand: etwas nicht so nah an sich rankommen lassen. Abstand: Wo ich mir doch Nähe und Zuwendung wünsche. Abstand: In vielem nur auf sich selbst bezogen zu sein. Und tatsächlich wurden Wege umgeleitet, Räume eng und vieles unmöglich. Immer wieder die Frage, was geht und was nicht? Was ist verantwortbar? Wie können wir Gemeinschaft und Gemeinde erleben? Wie können wir Glauben und Gott erfahren? Und - wie können wir Gott zur Sprache bringen, wo doch in den vielen Diskussionen, in dem vielen Für und Wider und dem Ringen um die richtigen Maßnahmen Worte abnutzen oder als Argument extra geschärft werden. Wo Gesagtes nicht mehr auf offene Ohren stößt, man am liebsten nichts mehr hören und sehen möchte? 


Auszeit, Abstand, durchatmen, Kraft sammeln, frischen Wind um die Nase wehen lassen. An zwei, drei Nachmittagen konnten wir uns als Familie auf den Weg an die Ostsee machen. Am Brodtener Ufer lieben es die Kinder über die großen Steine zu balancieren, mit dem anbrandendem Wasser zu spielen, sich nasse Füsse zu holen und mit den Fingern im Sand zu buddeln. Dann geht es gemeinsam ein Stück weiter. Ohne viele Worte mit abwechselndem Blick zum Wasser und an den fernen Horizont oder mit gesenktem Kopf auf der Suche nach einem besonderen Stein, einem Stückchen Treibholz oder einer Muschel. 


Ich mag dieses Gehen am Meer. Die Geräusche, den Wind, den Geruch. Und scheinbar geht es nicht nur mir so. Andere Menschen sind unterwegs. Vielleicht mit ähnlichen Sehnsüchten, Gefühlen und Gedanken. Das Meer ist immer in Bewegung. Mit unbändiger Kraft formt es unablässig den Strand, die Küste und sogar die Steine. Für einen Moment kann ich ganz bewußt in den Strom der Zeiten eintauchen. Ich bin umgeben von dem was vor mir gewesen ist und bekomme eine Ahnung von dem, was sein wird. Das weitet den Blick. Da möchte ich aber auch gerne festmachen und etwas finden, worauf ich mich mit meinem Leben beziehen kann. Und von wo aus ich dann wieder aufbrechen - neu losgehen - kann. 


Von einem dieser Wege habe ich Ihnen die vier Fotos mitgebracht, die ich mit dem Handy aufgenommen habe. Die Weite des Himmels. Ein großer Stein - ein Fels - auf den jemand die Buchstaben A&O gekratzt hat. Eine klitzekleine Markierung in der Kaimauer, die ein Anhaltspunkt für zukünftige Bauarbeiten sein soll. Ein vom Wasser abgeschliffener Zementklotz mit einem Stahlbügel, der vielleicht einmal einer Orientierungsboje Halt gegeben hat. 


Das mögen alles zufällige Fundstücke sein. Und vielleicht sind das A&O die Initialen einen Liebespaares und das Kreuz einfach nur die Einschnitte einer Kreissäge mit einem roten Farbklecks. Für mich sind diese Eindrücke aber ganz lebendig. Da kommt Gott für mich ganz unerwartet - ganz anders - in den Blick. 


Ich bin erstaunt. Ich halte inne. Schweige. Frage: Wo sind Anfang und Ende? Was bedeutet das Kreuz? Woran möchte ich festhalten, wenn alles in Bewegung ist - der Aufbruch zu neuen Ufern notwendig ist? Abstand? Plötzlich kommt mir vieles näher als gedacht! 


Und so möchte ich Sie alle mit dem Monatsspruch vom Juli aus Apostelgeschichte 17,27 ganz herzlich grüßen: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.


Ihr Pastor Michael Ostendorf

OK