Text: Ausgangspunkt Moorfleet 2021

Plakat: Ausgangspunkt Moorfleet 2021

Rautrenberghaus Sandwisch 25

Rautenberghaus Sandwisch 25

Sandwisch 25

St.Nikolai Moorfleet

Johann Wilhelm Rautenberg

Heinrich Matthias Sengelmann

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2021 - Ausgangspunkt Moorfleet - Wir feiern die Geburtstage von Johann Wilhelm Rautenberg und Heinrich Matthias Sengelmann


In der langen Geschichte Moorfleets hat es viele bedeutende Menschen gegeben. Zwei von ihnen haben über Moorfleet hinaus Bedeutung für die Kirche, die Diakonie und die Stadt Hamburg erlangt. Die Rede ist von Johann Wilhelm Rautenberg und Heinrich Matthias Sengelmann. 


Rautenberg wurde am 1.3.1791 in Moorfleet geboren. Sein Geburts- und Elternhaus befand sich Sandwisch 21. Dorthin zog sein Vater auf der Suche nach einer gesicherten Bleibe und der Möglichkeit, das erlernte Handwerk auszuüben und Geld zu verdienen. Rautenbergs Vater Christian Friedrich war gelernter Bäckermeister. Er übernahm eine Bäckerei und nahm die Witwe des verstorbenen Vorgängers zur Frau. Als diese verstarb, heiratete er die erheblich jüngere Gesche Heitmann aus Curslack. Johann Wilhelm ist das 11. - das jüngste - Kind. 1807 starb der Vater. Johann Wilhelm war 16 Jahre alt. Er nahm verschiedene Stellungen in Privatschulen und Haushalten an. Sein sehnlichster Wunsch war es, Pastor zu werden. 1811-13 besuchte er das Johanneum, wo er in Person des Direktors - Johann Gottfried Gurlitt - einen Förderer fand, der ihn auch finanziell unterstützte. Auf der Flucht vor den französischen Besatzungstruppen kam er in das von den Schweden besetzte Kiel. Dort studierte er ca.2 1/2 Jahre Theologie. Dieses Studium setzte er für ein Jahr in Berlin fort und machte das Amtsexamen 1817 in Hamburg. Zwischenzeitlich wurde die Bäckerei durch seinen Bruder 1814 an den Moorfleeter Deich 97 verlegt. Dort befand sich dann später die Bäckerei Bahlmann. 1820 erhielt Rautenberg die Pfarrstelle an der Dreieinigkeitskirche in der Hamburger Vorstadt St.Georg. Von seinen theologischen Lehrern wurde er maßgeblich geprägt. Er selbst sagte, er sei durch August Tweesten in Kiel zu Glauben gekommen. Friedrich Schleiermacher und August Neander in Berlin haben diese zum Glauben erweckte Richtung verstärkt. 1822 kaufte ein Bruder Rautenbergs das Haus Sandwisch 25. Als Pastor in St.Georg lernte Rautenberg die Not der armen Menschen durch viele Hausbesuche kennen. Besonders die Situation der Kinder war schwer. Sie wuchsen ohne Schulbildung auf, da sie durch Arbeit zum Familienunterhalt beitragen mussten. Aufgrund dieser Erfahrungen gründete Rautenberg zusammen mit Johann Gerhard Oncken am 9.1.1825 eine Sonntagsschule. Oncken hatte das Vorbild der Sonntagsschule aus England mitgebracht. Nun konnten die beiden 60 Kinder unterrichten und so Analphabetismus bekämpfen und den Armenkindern eine christliche Erziehung ermöglichen. 1832 wurde Johann Hinrich Wichern als Ersatz für Oncken als Oberlehrer eingestellt. 45 Jahre lang wirkte Rautenberg so in St.Georg. Zusammen mit seiner Frau, Johanna Elisabeth Duncker, hatte er 6 Kinder. Er starb an seinem 74. Geburtstag, am 1.3.1865, und wurde in St.Georg begraben. In diesem Jahr begehen wir den 230. Geburtstag Rautenbergs!


Heinrich Matthias Sengelmann wurde am 25.5.1821 als einziges Kind geboren. Sein Vater Jochen Hinrich Sengelmann aus Stapelfeld im Amte Reinbeck nach Hamburg eingewandert. Er war Viehhändler. Durch körperliche Gebrechen fiel ihm diese Arbeit zunehmend schwer. Um ein weiteres Auskommen zu haben, wurde er Gastwirt am Schweinemarkt 10 in Hamburg. Dort kam Heinrich Matthias Sengelmann zur Welt. In der Gaststube verbrachte er seine Kindheit. Auf dem Schweinemarkt (in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs zwischen Spitaler- und Steinstraße) ging es geschäftig zu. Eigentlich gehörte diese Adresse zur Gemeinde St.Jakobi. Mutter Margarthe zog es aber nach St.Georg zu der Kirche, an der Rautenberg predigte. Er war mittlerweile stadtbekannt und forderte immer wieder zum Glauben und zu sozialem Handeln auf. Glauben sei Entscheidung. Von dieser Erweckungsbewegung wurde Margarethe angezogen und ihr Sohn wurde in dieses Leben mit hineingenommen. Die Familien Rautenberg und Sengelmann waren freundschaftlich verbunden. Heinrich Matthias wurde von Rautenberg konfirmiert. Auch er besuchte das Johanneum. Nach dem dortigen Examen studierte er Theologie in Leipzig und Halle/Saale. Nebenbei lernte er Orientalistik, Sprachen und Anthropologie. Sengelmann war insbesondere von Friedrich August Tholuck beeindruckt, der durch die Herrnhuterische Erweckungsbewegung beeinflusst, seinen Studenten begegnete. Zumeist waren es seelsorgerliche Spazierganggespräche, die zu eine Freundschaft zwischen Sengelmann und Tholuck geführt haben. Tholuck riet Sengelmann zu einer akademischen Laufbahn im Fach Altes Testament. Tatsächlich promovierte er mit der Arbeit „Das Buch von den sieben weisen Meistern, aus dem Hebräischen und Griechischen zum ersten Male übersetzt…“. Sengelmann kehrte nach Hamburg zurück und wollte Pastor werden. In seiner Kandidatenzeit war er Hauslehrer, Prediger und Lehrer an Rautenbergs Sonntagsschule. Nebenbei organisierte er den ersten Hamburger Jünglingsverein. Er war bekannt mit Pastor Gurlitt in Billwerder und vertrat diesen bei Gottesdiensten.  So kam Sengelmann am 10.7.1846 auf seine erste Pfarrstelle nach Moorfleet. Er heiratet Anna Sophia Adele von Saß.  Ihr gemeinsamer Sohn, Gustav wird nicht einmal ein Jahr alt. Und Adele stirbt 1858. Am 16.4.1850 hatte Sengelmann im Pfarrhaus mit 4 armen Jungen die „Christliche Arbeitsschule“ angefangen. Da die Bedingungen im Pastorat schlecht waren, wurde eine neue Bleibe gesucht. Am 27.7.1851 zog die Kinderschar in das neue Haus Sandwisch 25, dem ehemaligen Haus der Rautenbergs, ein. Im Dezember 1852 wurde Sengelmann zum Diakon an St.Michaelis berufen. 1853 wurde aus der „Christlichen Arbeitsschule Moorfleet“ in Anlehnung an den Namen der Moorfleeter Kirche das „St.Nikolai Stift. 1860 kaufte Sengelmann in Alsterdorf ein Anwesen mit Wohnhaus, Scheune und Land. Dort entstanden nach und nach die Alsterdorfer Anstalten. Und die ehrenamtliche Leitung zu übernehmen, wurde er auf einigen Wunsch im Oktober 1866 aus dem kirchlichen Dienst entlassen. Am 3.2.1899 starb Heinrich Matthias Sengelmann. Er liegt auf dem Friedhof in Moorfleet neben seine Frau und seinem Sohn begraben. In diesem Jahr begehen wir den 200. Geburtstag Sengelmanns!


Gerne möchte wird diese wichtigen Anlässe gebührend begehen. Noch ist allerdings nicht klar, ob und wie wir unter den Bedingungen der Corona-Pandemie zusammen kommen können. Gerne möchten wir am Grab Sengelmanns zusammen mit den Moorfleeter Vereinen und Institutionen einen Kranz niederlegen. Gerne werde ich rechtzeitig in der Bergedorfer Zeitung und unseren Schaukästen darauf aufmerksam machen.


Michael Ostendorf