Pietà - Grüße 

an die Rom-Reise-Gruppe

Pietà - Michelangelo

Petersdom, Rom - Foto: Michael Ostendorf

Allermöhe, 18.3.2020


Liebe Romreisegruppe!


Gerne möchte ich allen mit der Pietà aus dem Petersdom ganz herzliche Grüße senden. Unsere Romreise ist noch gar nicht so lange her. Vor ungefähr einem halben Jahr sind wir als Gruppe durch die Stadt gezogen. In der vollen Metro, den Kirchen und Museen. Diese Erlebnisse klingen immer noch nach. Ich denke voller Dankbarkeit an die gemeinsame Zeit.


Und nun scheint Rom menschenleer! 


Und wir können zuhause nur noch stark eingeschränkt leben. Wer hätte gedacht, dass es einmal Mangel an Toilettenpapier gegen würde, die Regale in den Geschäften geplündert werden? Wir uns nicht mehr die Hand geben können, von Umarmungen ganz abgesehen?


Die Pietà Michelangelos ist für ihre Innigkeit weltberühmt geworden. 


Ein liebevoller, trauriger, Moment in Marmor gemeißelt. So, als würde Maria Jesus gleich zärtlich berühren. So, als würde Jesus sich gleich erheben. 


Ja, erhaben ist dieses Kunstwerk! Und dennoch ist es durch Glas geschützt! Es ist unseren Berührungen entzogen. Wir können uns nur mit den Augen nähern. Mit dem Fotoapparat. Aber auch dieser erhaschte Blick bewegt uns. Berührt uns. Lässt uns etwas von der Liebe Gottes erahnen. Von seinem bei den Menschen sein. Auch im tiefsten Leid. Gar in Sterben und Tod. 


Mich lässt das inne halten. Gerade jetzt, in der Passionszeit! In Rom konnten wir aus dem Vollen schöpfen. Aus dem Vollen der italienischen Lebensart. Wir konnten mit tausenden anderen auf dem Petersplatz dem Papst zuhören. Das bunte Treiben erleben. Behütet abends in der Casa Nazarena zur Ruhe kommen. Wir waren gut versorgt. 


Die gegenwärtige Lage lässt mich das im Nachhinein als echten Luxus erkennen. Das war gut! 


Jetzt scheint es mir wichtig, aufeinander noch mehr Acht zu geben. Noch mehr die Menschen in den Blick zu nehmen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Einander in aller notwendigen Distanz nahe zu sein.


So bedrückend vieles erscheint und auch ist, dieses auf die Menschlichkeit-zurückgeworfen-sein macht mir Mut. Denn vieles in meinem und unserem alltäglichen Leben schien selbstverständlich. Das Alles-haben-können versprach trügerische Sicherheit. Materielles, die Dinge, schienen wichtig. Nun erleben wir, dass vieles gänzlich unwichtig ist und ersatzlos gestrichen werden kann. Nur die menschliche Nähe nicht! Diese bezieht sich für mich nun gar nicht auf die räumlich mögliche Nähe sondern auf die innere Haltung. Auf das Bewusstsein Gemeinschaft zu sein, Solidarität zu üben und füreinander einzustehen.


Für mich ist darin der christliche Glaube gegründet. In der menschlichen Hinwendung! Wenn wir so zur Besinnung kommen…


Mit diesen Gedanken wünsche ich allen alles Liebe, Gesundheit und Versorgung mit dem Nötigsten und Gottes reichen Segen! 


Auf ein baldiges Wiedersehen!

Ihr und euer

Michael Ostendorf