Luthers neuer Weg 

in Moorfleet

Luthers neuer Weg in Moorfleet

In Arbeit - Handyfoto: Michael Ostendorf

Nun ist er gangbar


Luthers neuer Weg in Moorfleet. Was vor ungefähr drei Jahren mit einer Idee und einem Aufruf in Uns Kirch begonnen hatte, ist jetzt fertiggestellt, einladend und zu betreten. 


Damals kamen dankenswerterweise einige Spenden zusammen. Ein Konzept für das Lutherdenkmal (1905) von Harro Magnussen (1861-1908) war in Ansätzen vorhanden. Bei der Umsetzung war allerdings vieles zu bedenken und zu berücksichtigen. Es gab immer wieder Verzögerungen und nicht alles lag in unserer Hand. 


Aber nun ist es geschafft! Und zum Gemeindefest hatten wir uns schon zum Gottesdienst bei unserem Luther versammelt, der seit 1966 seine Heimat in Moorfleet gefunden hatte. Es ist tatsächlich ein neuer Weg! 


Und dieser kleine Weg folgt einer Idee: Luther sollte aus seinem „Schattendasein“ heraus. Die Wiese war eher ein Parkplatz, stand oft unter Wasser und war nicht sehr einladend. Luther hinter der hohen Hecke versteckt. Manche kannten nur die Rückseite! Dabei kann sich dieser Luther auch heute noch sehen lassen. Wie er dort gezeigt wird: Als tatkräftiger Mönch am 31.10.1517 an der Schlosskirchentür zu Wittenberg, den Hammer in der einen, die Thesen in der anderen Hand. Der reformatorische Moment festgehalten. 


In der neuen Gestaltung sollte es die Möglichkeit geben, sich diesem Luther langsam anzunähern. Die Hecke wurde geöffnet. Ein geschwungener Weg gepflastert. Heute führt kein gerader Weg mehr zu Luther hin. Der große zeitliche und auch inhaltliche Abstand will langsam angegangen werden. Mit der Möglichkeit Kreise um Luther zu ziehen. Ihn von allen Seiten zu betrachten. Und vielleicht auch inne zu halten. Eine Bank wird noch aufgestellt werden. Eine Einladung, den eigenen Luther in Besitz zu nehmen. 


Nach 502 Jahren hat Luther Patina angesetzt. Es ist nicht mehr alles Bronzehochglanz. Auch theologisch und historisch wird Luther heute differenzierter gesehen. 


Seine Haltung im Bauernkrieg, seine spätere Judenfeindlichkeit. Nach den Ereignissen der jüngeren deutschen Geschichte und manchen gegenwärtigen Erfahrungen ist der Weg zu Luther über den einen oder anderen Umweg zu nehmen. 


Es braucht Zeit, Vergangenheit und Gegenwart in Verbindung zu setzen. Vielleicht auch Geduld und liebevolle Annahme. Dem will die Gestaltung Raum geben und einen neuen, persönlichen, Weg ebnen. 


Denn Luthers Konzentration auf „den Glauben allein“ könnte in der modernen Gesellschaft des vielen Tun- und Leistenmüssens einen wesentlichen und aktuellen Beitrag zum Leben in dieser Welt - der Schöpfung - und der Beziehung zu Gott ermöglichen: „TOD SÜND LEBEN UND GNAD ALLS IN HÄNDEN + ER + HAT ER KANN + ERRETTEN ALLE DIE ZU IHM + TRETEN KYRIE ELEISON +“


Ganz herzlichen Dank an alle, die mit ihrer Spende oder ihrer Arbeit zur Umsetzung dieses Projektes beigetragen haben!


Michael Ostendorf